Kostenübernahme bei Behandlung in Privatspital oder privater Arztpraxis

Eine Behandlung in einem Privatspital oder in einer privaten Arztpraxis unterliegt nicht, wie im Falle von öffentlichen Spitälern, kantonalem öffentlichem Recht, sondern basiert auf einem privatrechtlichen Behandlungsverhältnis. Kann eine Ärztin oder ein Arzt eine medizinisch geforderte Behandlung nicht vornehmen, da aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten der gesetzlich geforderten Aufklärungspflicht nicht nachgekommen werden kann, so bestehen grundsätzlich folgende Möglichkeiten:

  • Die Ärztin, der Arzt kann die Behandlung entweder ablehnen, beziehungsweise die Patientin, den Patienten an eine Fachperson verweisen, welche die Kommunikation sicher stellen kann,
  • oder auf eigene Kosten eine Dolmetschdienst beiziehen.
  • Es besteht weiterhin die Möglichkeit, die Kosten auf die Patientin, den Patienten zu übertragen. Dies muss jedoch in Absprache mit der Patientin/ dem Patienten im Rahmen eines privatrechtlichen Behandlungsvertrags zwischen beiden Parteien zuvor vereinbart werden (Vertragsfreiheit).
  • Bei Sozialhilfeempfängern ist abzuklären, ob die Kosten allenfalls von der Sozialhilfe übernommen werden.
  • Bei Asylsuchenden werden die Kosten meist durch das Durchgangszentrum/die betreuende Organisation getragen.

(Quelle: Achermann und Künzli (2008): Übersetzen im Gesundheitsbereich: Ansprüche und Kostentragung, Gutachten zuhanden des BAG.)

Finanzierungsbeispiel - Wie gehen Hausärzte in eigener Praxis vor?

Der Berner Hausarzt Heinrich Kläui verfügt über langjährige Erfahrungen in der Behandlung von Migrantinnen und Migranten. Er arbeitete viele Jahre als Konsiliararzt im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des SRK.

Die Finanzierung und überhaupt die Organisation von Dolmetschdienstleistungen in der hausärztlichen Praxis  ist ungelöst. Bisher wurde rein pragmatisch vorgegangen: Wir Hausärztinnen und Hausärzte behelfen uns im Regelfall mit den Dolmetschenden, die vom Patienten/von der Patientin mitgebracht werden. Einzelne wenige Kolleginnen und Kollegen finanzieren aus der eigenen Kasse Dolmetschende. Diese werden speziell für wichtige, ausführliche Gespräche eingesetzt. Auch psychiatrisch tätige Kolleginnen und Kollegen übernehmen in Einzelfällen selbst die Dolmetschkosten.

Im Alltag sind es Freundinnen und Kollegen der Betroffenen, die übersetzen. Wir haben es dabei mit ungeschulten, medizinisch unerfahrenen Personen zu tun. Die Tatsache, dass die Patientin, der Patient diese bestimmte Person mitgebracht hat, lässt uns auf ein Vertrauensverhältnis schliessen. Es ist klar, dass bestimmte (Tabu-)Themen (Infektionen, psychiatrische Leiden) in dieser Situation kaum oder gar nicht angesprochen werden können.

Asylsuchenden wird häufig vom Durchgangszentrum eine Dolmetscherin, ein Dolmetscher gestellt. Teilweise sind uns diese Personen, die meistens bei einem der anerkannten Hilfswerke als Dolmetschende arbeiten, persönlich bekannt und gelten als vertrauenswürdig. Den Dolmetschenden wird ihr Einsatz vergütet, wir stellen eine Bescheinigung aus, dass die Leistung erbracht wurde.

Einzelne Patientinnen oder Patienten bringen selber eine Vertrauensperson mit, die in der Community als Vermittler tätig ist. Auch diese Personen sind uns häufig bekannt, da wir sie bereits in anderen Dolmetschsituationen gesehen haben. Die Finanzierung liegt beim Patienten/ bei der Patientin.

Schliesslich übernimmt in Einzelfällen der Sozialdienst die Kosten von interkulturellen Vermittlungspersonen, die die Betroffenen zum Arzt, aber auch auf Ämter oder zu Elterngesprächen begleiten. Diese Einsätze sind in der Regel zeitlich begrenzt und werden durch geschulte Personen durchgeführt.Heinrich Kläui, Berner Hausarzt